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Das vom Förderverein der Fakultät Wirtschaftswissenschaften der Leibniz Universität Hannover (kurz FFW) und dem Lehrstuhl „M2, Marketing und Management“ initiierte Wirtschaftsforum unter dem Titel „Der Wirtschaftsminister kommt! Perspektiven aus Niedersachsen“ war ein voller Erfolg. Trotz kurzfristiger Bekanntgabe der Veranstaltung blieben nur wenige Plätze unbesetzt. Neben interessierten Studenten, zahlreichen Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeitern der „WiWi“-Fakultät kamen auch ehemalige Studenten, externe Gäste und zahlreiche Vertreter aus der Praxis.
Sehr erfreut über dieses Diskussionsforum war vor allem der Präsident der Leibniz Universität Hannover Prof. Dr.-Ing. Erich Barke, der so einen Dialog nicht nur seitens der Wissenschaft, sondern auch seitens der Praxis sehr begrüßte. „Es ist ja bekannt, dass Unternehmen aus Innovationen Geld machen, aber wir an der Uni machen aus Geld Innovationen“, deshalb sei es besonders wichtig, dass die Praxis mit der Wissenschaft im Dialog stehe und dass am Ende dieser Kette Praxis mit Wissenschaft zusammenarbeiten. Der Dekan Prof. Dr. Stefan Helber unterstrich ebenso die Bedeutung eines solchen Dialogs, durch den Wissenschaft mit Wirtschaftspolitik zusammenkommen.
Nach einer kurzen Vorstellung der wirtschaftlichen Lage des Landes Niedersachsens berichtete der sympathische Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr Herr Walter Hirche von angehenden Projekten, wie dem „JadeWeserPort“ oder die Forschung in der Luft- und Raumfahrttechnik in den Regionen Braunschweig und Göttingen. Die Ansiedlung technologieorientierter Unternehmen sei in Niedersachsen von großer Bedeutung. Die Medizinische Hochschule Hannover arbeite beispielsweise mit der Tierärztlichen Hochschule zusammen und forsche im Bereich der Biotechnologie. Weiterhin betonte der in Leipzig geborene liberale Minister die Notwendigkeit einer Internationalisierung von regionalen Unternehmen, um den Standort Hannover wirtschaftlich voranzutreiben. Vor allem sei es nötig, dass die Unternehmen sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren, um den Schritt in andere Märkte - auch ins Ausland - zu wagen.
Monotone Monologe, die man vielleicht von manch einem Politiker aus dem Bundestag oder aus einigen Vorlesungen kennt, waren bei diesem sehr praxisbezogenen Diskussionsforum nicht zu hören. Im Gegenteil. Der 66-jährige Politiker, der übrigens Geschichte, Politologie und Französisch studierte, stellte sich offen und ehrlich den Fragen aus Wissenschaft und Praxis und füllte die Diskussion mit großem Engagement. Der gleichzeitig auch stellvertretende Ministerpräsident Niedersachsens beantwortete Herrn Prof. Dr. J.-Matthias Graf von der Schulenburg die Frage, warum Niedersachsen trotz guter Konjunkturlage nicht so viel profitiert hat. Zudem kritisierte der Direktor des Instituts für Versicherungsbetriebslehre die Monokultur in Niedersachsen und wollte von Herrn Hirche wissen, was er von der Einrichtung eines „Research Triangle“ in der Region hält. Herr Helmuth Schäfer , Partner bei der PricewaterhouseCoopers AG interessierte sich für Fragen des Mittelstands, wie z.B. Innovation, Qualifizierung der Mitarbeiter oder Kontaktpflege zwischen Wissenschaft und Politik. Wie kann die Landesregierung die Globalisierung vorantreiben und dem Mittelstand unter die Arme greifen? Ferner wurde diskutiert, wie weit ein Land Einfluss nehmen kann, um Flexibilisierungen vor allem im Arbeitsrecht voran zu treiben.
Herr Prof. Dr. Klaus-Peter Wiedmann, der die Veranstaltung moderierte, sprach sich für eine intensivere Netzwerkbildung aus. Es gäbe viele Initiativen in der Region Hannover, wie z.B. „hannoverimpuls“ und die „Pro Hannover Region“, die Innovationen fördern und Netzwerkbildung unterstützen. Dennoch bestehe weiterhin Informations- und Handlungsbedarf, um die komplette Wertschöpfungsketten auszuschöpfen, um später tatsächlich Arbeitsplätze zu schaffen. Er kritisierte die noch viel zu verschlossene Wirtschaft gegenüber der Wissenschaft und forderte ein „Aufbrechen der Seilschaften“.
Dass Zusammenarbeit zwischen Politik, Wissenschaft und Wirtschaft sehr wohl funktionieren kann, erläuterte Herr Georg Zaum, Sprecher der Hannoverschen Versicherungswirtschaft. Mit der Gründung des so genannten CEO (Club ohne Erwerbsstreben) wurde eine Plattform geschaffen, die den hannoverschen Versicherungsgesellschaften ermöglicht, zusammen zu arbeiten. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit werden Fragen aus den Bereichen der Aus-, Fort- und Weiterbildung diskutiert oder Ideen generiert um den Wirtschaftsstandort Hannover zu stärken.
Weitere interessante Fragen beantwortete der Minister mit einer gewissen Leichtigkeit und gleichzeitiger Besorgnis. Von einer staatlich vorgegebenen Akademikerquote halte Herr Hirche nichts, eher mache er sich eher Sorgen um die hohe Abbrecherquote.
„Wenn Sie 3 Wünsche frei hätten, mit welchen 3 konkreten Maßnahmen könnten Sie speziell den Studierenden der Leibniz Universität in Zukunft weiterhelfen?“ war eine interessante Frage. Herr Hirche wollte diesbezüglich erst sehen, wie sich das Exzellenzcluster „QUEST“ entwickelt und ob die Gelder ausreichen. (Die Entscheidung für das Forschungsprojekt „QUEST“ wurde erst am 19.10.2007 vom Bewilligungsausschuss bekannt gegeben und wird zunächst für 5 Jahre mit einem jährlichen Zuschuss von ca. 6,5 Mio. EUR gefördert.) Zweitens würde er sich eine engere Zusammenarbeit zwischen den Hochschulen wünschen – egal ob Fachhochschulen oder anderen Hochschulen. Und drittens erhofft sich Herr Hirche, den Standort Hannover und die Leibniz Universität nach außen hin zu stärken. Der Präsident der LUH Prof. Dr.-Ing. Erich Barke „wünschte“ sich darauf hin vom Wirtschaftsminister 80 Professorenstellen, 100 weitere Mitarbeiterstellen und Bauerhaltungsmaßnahmen für 150 Gebäude, von denen die meisten noch aus der Zeit von vor 1950 stammen. Weiterhin sei finanzielle Unterstützung nötig, um die Leibniz Professur zu meistern.
Im weiteren Verlauf der Diskussion wurde auch die Trägheit der Planungsprozesse Deutschlands kritisiert. „In China werden bestimmte Dinge fertig, bevor in Deutschland überhaupt der Planungsprozess durch ist“, bemängelte der Minister. Er würde manche Dinge erheblich vereinfachen wollen. Insofern hoffe er auf die Generation der heutigen Studenten.
Mit einem Resümee bedankte sich der Leiter des Marketinglehrstuhls Herr Prof. Dr. K.-P. Wiedmann für einen gelungenen Dialog und versprach eine baldige Fortsetzung des Wirtschaftsforums.
Bei anschließendem Sekt und kleinem Snack, die mit freundlicher Unterstützung von PricewaterhouseCoopers gesponsert wurden, konnten die Teilnehmer den Dialog zwischen Wirtschaft, Praxis und Politik weiter vertiefen.
Das Wirtschaftsforum ist ein regelmäßig stattfindendes Diskussionsforum, welches die Brücke zwischen Forschung, Wirtschaft und Politik schlagen soll und wird gemeinsam vom Förderverein der Fakultät Wirtschaftswissenschaften (FFW) und dem Institut für Marketing & Management organisiert. |